Forschungsschwerpunkt Neusiedler See

Fischökologisches Monitoring

Langzeitforschung

Die Biologische Station ist thematisch vielfältig ausgerichtet. Die bearbeiteten Sachverhalte reichen beispielsweise von der Vogel- und Insektenfauna über die Flora im Burgenland bis hin zu chemischen und mikrobiologischen Messungen im Neusiedler See. Eine allgemeine Beschreibung der Langzeitforschung in Österreich finden Sie hier: LTSER Plattform Neusiedler See – Seewinkel | LTER Austria (lter-austria.at)

Die Beprobungen des Neusiedler Sees gehen bis in das Jahr 1983 zurück und sind ab dem Jahr 1988 mit einem erweiterten Parameterumfang an mehreren Meßstellen im See durchgeführt worden.

Die Langzeitmessung der Leitfähigkeit zeigt, dass es von 1990 bis 1995 und von 2004 bis 2008 Perioden einer erhöhten Leitfähigkeit in dem Steppensee gab (Abb. 1). Diese Leitfähigkeitsschwankungen werden durch die Parameter Niederschlag und Verdunstung – und davon abhängig von Wasserstandsschwankungen und Austrocknung in den Randbereichen – bedingt.

Die Punkte zeigen die Jahresmittelwerte an, die Balken je Jahr die Spannweite zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Leitfähigkeitswert.

Analog der Leitfähigkeit wurde auch das Chlorophyll im See ab 1988 gemessen (Abb. 2). Das Chlorophyll-a ist das Hauptpigment der im Wasser schwebenden Algen. Ein hoher Wert an Chlorophyll-a verweist auf eine hohe Algenbiomasse und umgekehrt. 2004 und 2010 sind Jahre mit besonders hohen Algenbiomassen während der Langzeituntersuchung.

Ein wesentlicher Nährstoff für das Wachstum der Algen im Wasser ist der Phosphor (Abb. 3). Der Langzeittrend der gesamten Phosphorkonzentration zeigt eine leichte Abnahme an. Der Phosphor wird über das Umland vom See, seinem weiten Einzugsgebiet, eingeschwemmt. Landwirtschaftliche Maßnahmen im Zuge der Bewirtschaftung, wie zum Beispiel im Weinbau, haben dazu geführt, dass dem Einschwemmen von Phosphor in das Seebecken Einhalt geboten wurde.

Neben dem Phosphor ist auch der Stickstoff ein wichtiger Nährstoff für den Aufbau der Algenbiomasse im See. Da die Erfassung der gesamten Stickstoffressourcen ein aufwendiges Messverfahren ist, wurde hier gemäß Standard die Konzentration von Nitrat, dem wichtigsten Vertreter aller Stickstoffquellen, gemessen (Abb. 4). In den letzten Jahren ging die Konzentration des Stickstoffes sehr stark zurück, so wurde das Wachstum der Algen im See begrenzt. Eine hohe Güte zeigen jene Jahre an, wo sowohl ein niedriger Jahresmittelwert als auch eine geringe Schwankungsbreite für Nitrat im Jahr gemessen werden konnte. Solch ein Jahr geringer Nitratkonzentration ist beispielsweise das Jahr 2006.

Die Langzeitentwicklung der vier genannten Kenngrößen zeigt eine unterschiedliche Schwankungsbreite in jedem Messjahr. Aufgrund der jahreszeitlichen Abfolge der Lufttemperatur und anderer Wetterereignisse auf der einen Seite, und der jahreszeitlichen Abfolge des Wachstums der Algen und anderer aquatischer Lebewesen auf der anderen Seite, ergeben sich charakteristische Jahresverläufe, die nachfolgend in Abbildung 5 gezeigt sind. So entwickeln sich die Algen, hier wieder anhand der Konzentration des Leitpigmentes Chlorophyll-a gezeigt, bereits zeitig im Frühjahr. Es zeigt sich die höchste Algenbiomasse im Neusiedler See im März und April. Zugleich liegen zu dieser Jahreszeit auch die höchsten Konzentrationen an Gesamtphosphor vor. In der Hauptvegetationsperiode sind dagegen wenig Algen vorhanden, was ein Spezifikum des Neusiedlersees ist. In anderen Seen ist nämlich eine zweite massenhafte Algenentwicklung im Sommer weit verbreitet. Im Neusiedler See treten wiederum leicht erhöhte Chlorophyllwerte erst wieder im Winter auf, was wiederum eine Charakteristik dieses Steppensees ist. Die Besonderheit der jahreszeitlichen Abfolge der Algen im Neusiedler See liegt in der hohen Trübe durch mineralische Schwebpartikel begründet. Der Neusiedler See ist damit gewässerökologisch anders gestaltet als die anderen Seen in Österreich.

Wasserstand

Die Informationen über den aktuellen Wasserstand des Neusiedler Sees, die Wehrbetriebsordnung und Daten zu anderen burgenländischen Gewässern finden Sie im WASSERPORTAL BURGENLAND